Gilt die GB Psych auch für Homeoffice?
Ja, die psychische Gefährdungsbeurteilung gilt auch für Telearbeit, Homeoffice und mobiles Arbeiten.
Das Arbeitsschutzgesetz unterscheidet nicht nach Arbeitsort. Wo immer Beschäftigte tätig werden, müssen die Arbeitsbedingungen beurteilt werden – auch im heimischen Arbeitszimmer oder unterwegs.
Rechtliche Grundlagen
- § 5 ArbSchG: Gefährdungsbeurteilung für alle Tätigkeiten
- Arbeitsstättenverordnung: Gilt für Telearbeitsplätze (regelmäßig, vom Arbeitgeber eingerichtet)
- Mobile Arbeit: Weniger reguliert, aber GB Psych-Pflicht besteht
Besondere Belastungsfaktoren bei Remote Work
1. Entgrenzung von Arbeit und Privatleben
- Fehlende räumliche Trennung
- Ständige Erreichbarkeit
- Schwierigkeiten beim "Abschalten"
- Konflikte zwischen Arbeit und Familie
2. Soziale Isolation
- Weniger spontaner Austausch mit Kollegen
- Gefühl der Vereinsamung
- Eingeschränktes Zugehörigkeitsgefühl
- Fehlende informelle Kommunikation
3. Technostress
- Permanente Video-Calls ("Zoom-Fatigue")
- Technische Probleme ohne direkte IT-Unterstützung
- Überflutung durch digitale Kommunikationskanäle
- Angst, technisch nicht mithalten zu können
4. Führung auf Distanz
- Weniger direktes Feedback
- Schwierigkeiten bei der Einschätzung der Arbeitsbelastung
- Gefühl der fehlenden Unterstützung
- Unsicherheit über Erwartungen
5. Ergonomische Belastungen
- Oft suboptimale Arbeitsplatzausstattung zu Hause
- Fehlende Beratung durch Arbeitsschutzexperten
- Bewegungsmangel durch Wegfall des Arbeitswegs
Durchführung der GB Psych bei Remote Work
Methode
Für Remote Workers eignen sich besonders:
- Online-Fragebögen: Unabhängig vom Standort durchführbar
- Video-Workshops: Gemeinsame Analyse trotz räumlicher Distanz
- Virtuelle Interviews: Für tiefergehende Gespräche
Zusätzliche Fragen für Remote Work
Ergänzen Sie Ihre Befragung um spezifische Fragen:
- Wie gelingt die Trennung von Arbeit und Privatleben?
- Fühlen Sie sich ausreichend in das Team eingebunden?
- Wie bewerten Sie die Kommunikation mit Vorgesetzten?
- Wie ist Ihr häuslicher Arbeitsplatz ausgestattet?
- Erleben Sie Technostress?
Maßnahmen für Remote Workers
Gegen Entgrenzung
- Klare Regelungen zu Erreichbarkeit und Arbeitszeiten
- "Right to disconnect" etablieren
- Keine E-Mails oder Nachrichten außerhalb der Arbeitszeit
- Bewusste Pausen fördern
Gegen Isolation
- Regelmäßige Präsenztage oder Team-Events
- Virtuelle Coffee-Breaks
- Buddy-Systeme für neue Mitarbeiter
- Aktive Gesprächsangebote durch Führungskräfte
Gegen Technostress
- Meetingfreie Zeiten definieren
- Kamera-Pflicht bei Video-Calls hinterfragen
- Technischen Support verbessern
- Schulungen zu digitalen Tools anbieten
Für bessere Führung auf Distanz
- Regelmäßige 1:1-Gespräche einführen
- Klare Zielvereinbarungen
- Führungskräfte in Remote Leadership schulen
- Ergebnisorientierung statt Präsenzkultur
Besonderheit: Hybride Arbeitsmodelle
Bei hybriden Modellen (Wechsel zwischen Büro und Homeoffice) entstehen zusätzliche Herausforderungen:
- Unterschiedliche Informationsstände je nach Anwesenheit
- Gefahr der "Zwei-Klassen-Gesellschaft"
- Koordinationsaufwand für Teams
Empfehlungen
- Klare Regelungen, wann Präsenz erwartet wird
- Hybride Meeting-Formate optimieren
- Dokumentation verbessern
- Fairness zwischen Präsenz- und Remote-Mitarbeitern sicherstellen
Fazit
Remote Work ist gekommen, um zu bleiben. Die psychische Gefährdungsbeurteilung muss diese Realität abbilden. SafeMind ermöglicht die nahtlose Einbindung aller Mitarbeiter – egal wo sie arbeiten.



