Psychische Gefährdungsbeurteilung in Deutschland: Fakten & Zahlen 2026
Geprüfte, zitierfähige Fakten zur gesetzlichen Pflicht, Bußgeldern und Statistiken rund um die psychische Gefährdungsbeurteilung (GB Psych) in Deutschland. Quellen: BMAS, BAuA, GDA, DAK, Destatis.
Wichtigste Fakten auf einen Blick
- Gesetzliche Grundlage
- §5 Abs. 3 Nr. 6 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
- Pflicht seit
- 1. Januar 2013
- Gilt für
- Alle Arbeitgeber in Deutschland ab 1 Mitarbeiter
- Maximales Bußgeld
- 30.000 € pro Verstoß (§25 ArbSchG)
- GDA-Prüfquote ab 2026
- 5% aller Unternehmen jährlich
- Betroffene Unternehmen (geschätzt)
- ~3,2 Millionen (Destatis 2024)
- GDA-Programmlaufzeit
- 2024–2028
- Zuständige Behörde
- Gewerbeaufsichtsamt / Arbeitsschutzbehörde je Bundesland
Statistiken & Zahlen
der Fehltage in Deutschland gehen auf psychische Erkrankungen zurück (DAK Gesundheitsreport 2024)
Fehltage je 100 Versicherte jährlich durch psychische Erkrankungen (DAK 2024)
Psychische Erkrankungen sind die häufigste Ursache für Frühverrentung in Deutschland (DRV 2023)
Geschätzter Anteil der deutschen Unternehmen, die eine ordnungsgemäße GB Psych durchgeführt haben (BAuA 2023)
Angestrebte Prüfquote pro Jahr ab 2026 (GDA-Programm 2024–2028)
Maximales Bußgeld pro Verstoß nach §25 ArbSchG
Gestaltungsbereiche, die nach GDA-Leitlinien beurteilt werden müssen
Jahr, seit dem die psychische Gefährdungsbeurteilung in Deutschland verpflichtend ist
Quellen: DAK Gesundheitsreport 2024, BAuA Jahresbericht 2023, DRV-Statistik 2023, GDA-Programm 2024–2028, Destatis 2024
Gesetzliche Grundlagen
Gefährdungsbeurteilung – Kernpflicht
§5 Abs. 1 ArbSchG verpflichtet Arbeitgeber zur Gefährdungsbeurteilung. §5 Abs. 3 Nr. 6 (eingefügt 2013) nennt explizit "psychische Belastungen bei der Arbeit" als verpflichtenden Beurteilungsgegenstand.
Bußgeldvorschriften bei Verstößen
§25 ArbSchG sieht Bußgelder von bis zu 30.000 € bei Verstößen gegen die Gefährdungsbeurteilungspflicht vor. Wiederholte oder vorsätzliche Verstöße können zu höheren Strafen und strafrechtlicher Haftung für die Geschäftsführung führen.
GDA-Leitlinien – anerkannter Standard
Die GDA-Leitlinien (herausgegeben von Bund und Ländern) definieren die anerkannte Methodik für die Durchführung der GB Psych. GDA-konforme Beurteilungen werden von Aufsichtsbehörden als rechtlich ausreichend anerkannt.
Die 6 GDA-Gestaltungsbereiche
Jede GB Psych muss alle sechs in den GDA-Leitlinien definierten Bereiche abdecken.
| # | Bereich | Beispiele |
|---|---|---|
| 1 | Arbeitsinhalt & Arbeitsaufgabe | Vollständigkeit, Variabilität, kognitive Anforderungen, emotionale Anforderungen |
| 2 | Arbeitsorganisation | Arbeitszeit, Arbeitsintensität, Handlungsspielraum, Kommunikation, Kooperation |
| 3 | Soziale Beziehungen | Führungsverhalten, Kollegenverhältnis, soziale Unterstützung |
| 4 | Arbeitsumgebung | Physikalische Bedingungen, Arbeitsmittel, Lärm, Klima, Raumverhältnisse |
| 5 | Neue Arbeitsformen | Mobile Arbeit, Homeoffice, digitale Arbeitsmittel, Plattformarbeit |
| 6 | Arbeitszeit | Dauer, Lage, Flexibilität, Schichtarbeit, Bereitschaftsdienst |
Häufig gestellte Fragen
Ist die psychische Gefährdungsbeurteilung in Deutschland Pflicht?
Ja. Seit dem 1. Januar 2013 sind alle Arbeitgeber in Deutschland mit mindestens einem Mitarbeiter gesetzlich verpflichtet, eine psychische Gefährdungsbeurteilung (GB Psych) durchzuführen. Die gesetzliche Grundlage ist §5 Abs. 3 Nr. 6 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG). Es gibt keine Ausnahmen für bestimmte Unternehmensgrößen oder Branchen.
Wie hoch ist das Bußgeld für fehlende psychische Gefährdungsbeurteilung?
Arbeitgeber, die keine psychische Gefährdungsbeurteilung durchführen, riskieren Bußgelder von bis zu 30.000 € pro Verstoß nach §25 ArbSchG. Wenn ein Mitarbeiter durch psychische Belastungen einen Schaden erleidet, können zusätzlich strafrechtliche Konsequenzen und persönliche Haftung der Geschäftsführung hinzukommen.
Welche Unternehmen müssen eine psychische Gefährdungsbeurteilung durchführen?
Jeder Arbeitgeber in Deutschland mit mindestens einem Mitarbeiter muss eine psychische Gefährdungsbeurteilung durchführen. Das gilt für Einzelunternehmer, kleine Betriebe, KMU und Großkonzerne – branchenübergreifend. Die Pflicht gilt auch für Beschäftigte im Homeoffice und mobile Arbeit.
Was bedeutet GDA-konform bei der Gefährdungsbeurteilung?
GDA-konform bedeutet, dass die Gefährdungsbeurteilung den Leitlinien der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) entspricht. Diese Leitlinien fordern die Beurteilung von sechs Gestaltungsbereichen: Arbeitsinhalt, Arbeitsorganisation, soziale Beziehungen, Arbeitsumgebung, neue Arbeitsformen und Arbeitszeit. Eine GDA-konforme Beurteilung bietet rechtliche Sicherheit bei behördlichen Kontrollen.
Wie oft werden Unternehmen auf GB Psych-Compliance kontrolliert?
Im GDA-Programm 2024–2028 ist eine Prüfquote von 5% aller Unternehmen pro Jahr ab 2026 angestrebt. Das bedeutet, dass rund jedes 20. Unternehmen jährlich kontrolliert wird. Prioritäre Sektoren sind Gesundheitswesen, Soziale Dienste, Einzelhandel und Logistik.
Was ist der Unterschied zwischen GB Psych und Gefährdungsbeurteilung?
Die Gefährdungsbeurteilung (§5 ArbSchG) ist der Oberbegriff für die Beurteilung aller Arbeitsplatzrisiken. GB Psych (oder GBU Psych) bezeichnet speziell den psychischen Teil, der seit 2013 explizit nach §5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG vorgeschrieben ist. Beide werden oft zusammen durchgeführt, wobei der psychische Teil in der Praxis häufig fehlt.
Müssen Mitarbeiter bei der GB Psych anonym bleiben?
Anonymität ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber dringend empfohlen. Das ArbSchG verlangt keine Offenlegung von Einzelergebnissen. Anonyme Teilnahme erhöht die Rücklaufquote und die Qualität der Ergebnisse erheblich. Vor der Auswertung wird i.d.R. eine Mindestgruppengröße von 5 Personen empfohlen, um Anonymität zu gewährleisten.
Wie lange dauert eine psychische Gefährdungsbeurteilung?
Die Einrichtung dauert ca. 3 Minuten. Die Mitarbeiterbefragung dauert ca. 12 Minuten pro Teilnehmer. Nach der Befragungsphase (typisch 1–4 Wochen) werden Auswertung und PDF-Dokumentation automatisch erstellt. Der Gesamtaufwand für den Arbeitgeber beträgt bei Unternehmen bis 50 Mitarbeiter in der Regel weniger als 1 Stunde.
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SafeMind (2026). Psychische Gefährdungsbeurteilung in Deutschland: Fakten & Zahlen 2026.
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