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Kernthemen 10 min Lesezeit

Psychische Belastung am Arbeitsplatz messen: 5 wissenschaftliche Methoden

5 wissenschaftliche Methoden zur Messung psychischer Belastung: COPSOQ, KFZA und WAI im Vergleich – mit Vor- und Nachteilen.

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Fachredaktion Arbeitsschutz

TL;DR – Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt fünf Hauptmethoden zur Erfassung psychischer Belastung: Fragebögen (COPSOQ, KFZA), WAI, Interviews und Workshops
  • Standardisierte Fragebögen bieten das beste Verhältnis aus Aufwand und Aussagekraft
  • Die Wahl der Methode hängt von Unternehmensgröße, Budget und Zielsetzung ab
  • Digitale Lösungen kombinieren die Vorteile verschiedener Methoden
Vergleich verschiedener Methoden zur Erfassung psychischer Belastung

Warum standardisierte Methoden wichtig sind

Die Erfassung psychischer Belastung am Arbeitsplatz erfordert wissenschaftlich fundierte Methoden. Nur so lassen sich:

  • Objektive und vergleichbare Ergebnisse erzielen
  • Veränderungen über die Zeit messen
  • Rechtssichere Dokumentation gewährleisten
  • Benchmarking mit anderen Unternehmen durchführen

Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) empfiehlt ausdrücklich die Verwendung anerkannter Verfahren für die psychische Gefährdungsbeurteilung.

Methode 1: COPSOQ (Copenhagen Psychosocial Questionnaire)

Der COPSOQ ist einer der weltweit am häufigsten eingesetzten Fragebögen zur Erfassung psychosozialer Faktoren am Arbeitsplatz.

Aufbau und Versionen

  • Kurzversion: Ca. 40 Fragen, ideal für Screening
  • Mittlere Version: Ca. 87 Fragen, Standard für die GB Psych
  • Langversion: Über 140 Fragen, für wissenschaftliche Studien

Erfasste Dimensionen

Der COPSOQ erfasst unter anderem:

  • Anforderungen (quantitativ, emotional, kognitiv)
  • Einfluss und Entwicklungsmöglichkeiten
  • Soziale Beziehungen und Führung
  • Arbeitsplatz-Unsicherheit
  • Gesundheit und Wohlbefinden

Vorteile des COPSOQ

  • Wissenschaftlich validiert und international anerkannt
  • Umfangreiche Benchmark-Datenbank verfügbar
  • Kostenlos nutzbar (Open Source)
  • In SafeMind vollständig integriert

Methode 2: KFZA (Kurzfragebogen zur Arbeitsanalyse)

Der KFZA ist ein kompakter Fragebogen, der speziell für die betriebliche Praxis entwickelt wurde.

Aufbau

Mit nur 26 Fragen erfasst der KFZA die wichtigsten Belastungsfaktoren in kurzer Zeit. Er eignet sich besonders für:

  • Schnelle Ersterhebungen
  • Kleine und mittlere Unternehmen
  • Regelmäßige Kurzumfragen

Erfasste Bereiche

  • Handlungsspielraum
  • Vielseitigkeit
  • Ganzheitlichkeit
  • Soziale Rückendeckung
  • Zusammenarbeit
  • Qualitative Arbeitsbelastung
  • Quantitative Arbeitsbelastung
  • Arbeitsunterbrechungen
  • Umgebungsbelastungen
  • Information und Mitsprache
  • Betriebliche Leistungen

Methode 3: WAI (Work Ability Index)

Der Work Ability Index misst die subjektiv empfundene Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten.

Besonderheit

Im Gegensatz zu COPSOQ und KFZA fokussiert der WAI nicht auf einzelne Belastungsfaktoren, sondern auf die resultierende Arbeitsfähigkeit. Er bewertet:

  • Aktuelle Arbeitsfähigkeit im Vergleich zur besten je erreichten
  • Arbeitsfähigkeit in Bezug auf die Arbeitsanforderungen
  • Anzahl der aktuellen Erkrankungen
  • Geschätzte Beeinträchtigung der Arbeitsleistung
  • Krankenstand im letzten Jahr
  • Eigene Prognose der Arbeitsfähigkeit
  • Psychische Leistungsreserven

Einsatzgebiet

Der WAI eignet sich besonders für:

  • Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)
  • Alternsgerechte Arbeitsgestaltung
  • Langzeitstudien zur Arbeitsfähigkeit

Methode 4: Leitfadengestützte Interviews

Bei dieser Methode werden strukturierte Einzelgespräche mit Beschäftigten geführt.

Durchführung

Ein geschulter Interviewer führt Gespräche anhand eines vorbereiteten Leitfadens. Typische Themen:

  • Arbeitsaufgaben und Anforderungen
  • Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung
  • Arbeitsorganisation und Arbeitszeit
  • Soziale Beziehungen
  • Belastungen und Ressourcen

Vorteile und Nachteile

Vorteile:

  • Tiefgehende qualitative Informationen
  • Individuelle Nachfragen möglich
  • Hohe Akzeptanz bei Mitarbeitern

Nachteile:

  • Hoher Zeit- und Ressourcenaufwand
  • Keine Anonymität möglich
  • Schwer quantifizierbare Ergebnisse
  • Erfordert geschulte Interviewer

Methode 5: Moderierte Workshops (Analyseworkshops)

Bei dieser Methode werden Gruppenworkshops mit Beschäftigten durchgeführt.

Ablauf

Typischerweise nehmen 6-12 Beschäftigten aus ähnlichen Tätigkeitsbereichen teil. Der Workshop umfasst:

  1. Einführung und Zielerklärung
  2. Sammlung von Belastungsfaktoren (z.B. mit Kartenabfrage)
  3. Bewertung und Priorisierung
  4. Entwicklung von Maßnahmenvorschlägen
  5. Dokumentation der Ergebnisse

Vorteile und Nachteile

Vorteile:

  • Direkte Einbindung der Beschäftigten
  • Maßnahmenentwicklung im Team
  • Hohe Akzeptanz der Ergebnisse
  • Schnelle Identifikation von Handlungsfeldern

Nachteile:

  • Gruppendynamik kann Ergebnisse beeinflussen
  • Keine Anonymität
  • Erfordert erfahrene Moderation
  • Schwer für sensitive Themen geeignet

Methodenvergleich: Welche Methode für welchen Zweck?

Kriterium Fragebogen Interview Workshop
Anonymität Hoch Keine Keine
Zeitaufwand Gering Hoch Mittel
Kosten Gering Hoch Mittel
Quantifizierbarkeit Hoch Gering Mittel
Tiefgang Mittel Hoch Mittel
Vergleichbarkeit Hoch Gering Gering

Unsere Empfehlung

Für die meisten Unternehmen empfehlen wir eine Kombination aus standardisiertem Fragebogen und ergänzenden Workshops:

  1. Fragebogen für die breite, anonyme Erfassung
  2. Workshops für die Vertiefung kritischer Bereiche und Maßnahmenentwicklung

SafeMind kombiniert den wissenschaftlich validierten COPSOQ-Fragebogen mit automatischer Auswertung und gibt Ihnen damit das beste Werkzeug für eine rechtssichere und effiziente GB Psych.

Häufig gestellte Fragen

Welche Methode ist die beste für die GB Psych?

Es gibt keine universell beste Methode. Für die meisten Unternehmen eignet sich ein standardisierter Fragebogen wie COPSOQ am besten, da er anonym, wissenschaftlich validiert und gut auswertbar ist.

Kann ich verschiedene Methoden kombinieren?

Ja, die Kombination verschiedener Methoden ist sogar empfehlenswert. Ein Fragebogen liefert quantitative Daten, Workshops ermöglichen die Vertiefung und Maßnahmenentwicklung.

Wie lange dauert die Befragung mit COPSOQ?

Die mittlere Version des COPSOQ (87 Fragen) dauert etwa 15-20 Minuten pro Teilnehmer. Die Kurzversion ist in 10 Minuten zu beantworten.

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