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Branchen & Szenarien 11 min Lesezeit

GB Psych in der Pflege: Besondere Belastungen, besondere Lösungen

GB Psych in der Pflege und im Gesundheitswesen: Spezifische Belastungsfaktoren, Herausforderungen und praxisnahe Maßnahmen.

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Fachredaktion Arbeitsschutz

TL;DR – Das Wichtigste in Kürze

  • Pflegeberufe gehören zu den psychisch belastendsten Tätigkeiten überhaupt
  • Besondere Belastungsfaktoren: Personalmangel, emotionale Arbeit, Schichtdienst, Gewalt
  • Die Befragung muss an Schichtbetrieb und verschiedene Qualifikationen angepasst werden
  • Verhältnisprävention (Rahmenbedingungen verbessern) ist wichtiger als Verhaltensprävention
Pflegekräfte im Krankenhaus bei der Arbeit

Die besondere Belastungssituation in der Pflege

Pflegeberufe gehören zu den psychisch am stärksten belasteten Berufsgruppen. Studien zeigen:

  • Überdurchschnittlich hohe Burnout-Raten
  • Hoher Krankenstand durch psychische Erkrankungen
  • Frühzeitiger Berufsausstieg vieler Pflegekräfte
  • Wachsender Personalmangel verschärft die Situation

Die psychische Gefährdungsbeurteilung ist hier besonders wichtig – und besonders herausfordernd.

Spezifische Belastungsfaktoren

1. Personalmangel und Arbeitsverdichtung

  • Unterbesetzung ist der Normalfall
  • Ständiger Zeitdruck
  • Einspringen bei Krankheitsausfällen
  • Wenig Zeit für den einzelnen Patienten/Bewohner

2. Emotionale Belastung

  • Konfrontation mit Leid, Sterben und Tod
  • Emotional fordernde Angehörigenkontakte
  • Eigene Trauer bei Verlust von Patienten
  • Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität

3. Schicht- und Nachtarbeit

  • Wechselnde Arbeitszeiten belasten den Biorhythmus
  • Erschwerung des Soziallebens
  • Schlafstörungen
  • Erhöhtes Unfallrisiko

4. Gewalt und Aggression

  • Verbale Übergriffe durch Patienten/Bewohner
  • Körperliche Gewalt (v.a. in Psychiatrie, Demenzpflege)
  • Übergriffe durch Angehörige
  • Traumatisierungsgefahr

5. Körperliche Belastung mit psychischen Folgen

  • Schweres Heben und Tragen
  • Rückenschmerzen und deren Auswirkungen
  • Angst vor Berufsunfähigkeit

Durchführung der GB Psych in Pflegeeinrichtungen

Herausforderungen

  • Schichtbetrieb: Nicht alle Mitarbeiter gleichzeitig erreichbar
  • Wenig Zeit: Befragung muss kurz und effizient sein
  • Verschiedene Qualifikationen: Unterschiedliche Belastungen je nach Rolle
  • Hohe Fluktuation: Erschwert Längsschnittvergleiche

Praktische Empfehlungen

  • Längeren Befragungszeitraum wählen (mind. 3 Wochen)
  • Mobile Teilnahme ermöglichen (Smartphone)
  • Befragung in Übergabezeiten integrieren
  • Tätigkeitsgruppen nach Stationen/Bereichen bilden
  • Auch Aushilfen und Leiharbeitskräfte einbeziehen

Wirksame Maßnahmen in der Pflege

Verhältnisprävention (Rahmenbedingungen)

Vorrang hat die Verbesserung der Arbeitsbedingungen:

  • Personalplanung verbessern: Realistische Besetzung, Ausfallmanagement
  • Arbeitsorganisation optimieren: Klare Zuständigkeiten, weniger Dokumentationsaufwand
  • Schichtplanung gestalten: Vorwärts rotierende Schichten, ausreichend Erholungszeit
  • Gewaltprävention: Deeskalationstraining, Notfallkonzepte

Verhaltensprävention (Unterstützung der Mitarbeiter)

  • Supervision anbieten: Regelmäßige Reflexion belastender Situationen
  • Psychologische Beratung: Niedrigschwelliger Zugang zu Unterstützung
  • Resilienz-Training: Stärkung der persönlichen Bewältigungsstrategien
  • Entlastende Gespräche: Sterbebegleitung, kritische Ereignisse

Führung und Kultur

  • Wertschätzende Führungskultur etablieren
  • Teambesprechungen für Austausch nutzen
  • Fehlerkultur ohne Schuldzuweisungen
  • Erfolge sichtbar machen

Fazit

Die Pflege steht vor enormen Herausforderungen. Eine sorgfältige GB Psych kann helfen, die größten Belastungsfaktoren zu identifizieren und systematisch anzugehen. SafeMind bietet branchenspezifische Module für das Gesundheitswesen.

Häufig gestellte Fragen

Wie erreiche ich alle Mitarbeiter im Schichtbetrieb?

Wählen Sie einen längeren Befragungszeitraum (3-4 Wochen) und ermöglichen Sie mobile Teilnahme. So kann jede Schicht teilnehmen.

Was tun bei extremer Unterbesetzung?

Dokumentieren Sie den Personalmangel als Hauptbelastungsfaktor. Dies kann auch als Argumentationsgrundlage für Stellenaufstockungen dienen.

Sollte man verschiedene Berufsgruppen getrennt befragen?

Ja, die Belastungen von Pflegefachkräften, Pflegehelfern und anderen Berufsgruppen unterscheiden sich. Bilden Sie entsprechende Tätigkeitsgruppen.

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