Die besondere Belastungssituation in der Pflege
Pflegeberufe gehören zu den psychisch am stärksten belasteten Berufsgruppen. Studien zeigen:
- Überdurchschnittlich hohe Burnout-Raten
- Hoher Krankenstand durch psychische Erkrankungen
- Frühzeitiger Berufsausstieg vieler Pflegekräfte
- Wachsender Personalmangel verschärft die Situation
Die psychische Gefährdungsbeurteilung ist hier besonders wichtig – und besonders herausfordernd.
Spezifische Belastungsfaktoren
1. Personalmangel und Arbeitsverdichtung
- Unterbesetzung ist der Normalfall
- Ständiger Zeitdruck
- Einspringen bei Krankheitsausfällen
- Wenig Zeit für den einzelnen Patienten/Bewohner
2. Emotionale Belastung
- Konfrontation mit Leid, Sterben und Tod
- Emotional fordernde Angehörigenkontakte
- Eigene Trauer bei Verlust von Patienten
- Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität
3. Schicht- und Nachtarbeit
- Wechselnde Arbeitszeiten belasten den Biorhythmus
- Erschwerung des Soziallebens
- Schlafstörungen
- Erhöhtes Unfallrisiko
4. Gewalt und Aggression
- Verbale Übergriffe durch Patienten/Bewohner
- Körperliche Gewalt (v.a. in Psychiatrie, Demenzpflege)
- Übergriffe durch Angehörige
- Traumatisierungsgefahr
5. Körperliche Belastung mit psychischen Folgen
- Schweres Heben und Tragen
- Rückenschmerzen und deren Auswirkungen
- Angst vor Berufsunfähigkeit
Durchführung der GB Psych in Pflegeeinrichtungen
Herausforderungen
- Schichtbetrieb: Nicht alle Mitarbeiter gleichzeitig erreichbar
- Wenig Zeit: Befragung muss kurz und effizient sein
- Verschiedene Qualifikationen: Unterschiedliche Belastungen je nach Rolle
- Hohe Fluktuation: Erschwert Längsschnittvergleiche
Praktische Empfehlungen
- Längeren Befragungszeitraum wählen (mind. 3 Wochen)
- Mobile Teilnahme ermöglichen (Smartphone)
- Befragung in Übergabezeiten integrieren
- Tätigkeitsgruppen nach Stationen/Bereichen bilden
- Auch Aushilfen und Leiharbeitskräfte einbeziehen
Wirksame Maßnahmen in der Pflege
Verhältnisprävention (Rahmenbedingungen)
Vorrang hat die Verbesserung der Arbeitsbedingungen:
- Personalplanung verbessern: Realistische Besetzung, Ausfallmanagement
- Arbeitsorganisation optimieren: Klare Zuständigkeiten, weniger Dokumentationsaufwand
- Schichtplanung gestalten: Vorwärts rotierende Schichten, ausreichend Erholungszeit
- Gewaltprävention: Deeskalationstraining, Notfallkonzepte
Verhaltensprävention (Unterstützung der Mitarbeiter)
- Supervision anbieten: Regelmäßige Reflexion belastender Situationen
- Psychologische Beratung: Niedrigschwelliger Zugang zu Unterstützung
- Resilienz-Training: Stärkung der persönlichen Bewältigungsstrategien
- Entlastende Gespräche: Sterbebegleitung, kritische Ereignisse
Führung und Kultur
- Wertschätzende Führungskultur etablieren
- Teambesprechungen für Austausch nutzen
- Fehlerkultur ohne Schuldzuweisungen
- Erfolge sichtbar machen
Fazit
Die Pflege steht vor enormen Herausforderungen. Eine sorgfältige GB Psych kann helfen, die größten Belastungsfaktoren zu identifizieren und systematisch anzugehen. SafeMind bietet branchenspezifische Module für das Gesundheitswesen.



