Zum Inhalt springen
🎉 Nur für kurze Zeit: Sparen Sie die Einrichtungsgebühr von 199€ - jetzt registrieren! Jetzt sparen
Kernthemen 8 min Lesezeit

Psychische Belastung am Arbeitsplatz: Statistiken & Zahlen 2026

Belegte Statistiken zur psychischen Belastung am Arbeitsplatz in Deutschland: BAuA, BKK, DAK, WIdO, Deutsche Rentenversicherung und GDA. Jede Zahl mit Quelle, Datenjahr und Bezugsgröße.

Patrick Kutzer
Gründer & BGM-Experte

TL;DR – Das Wichtigste in Kürze

  • 16,7 % aller Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland entfielen 2024 auf psychische und Verhaltensstörungen (BAuA, Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2024)
  • 147,3 Mio. AU-Tage durch psychische und Verhaltensstörungen kosteten 2024 rund 22,5 Mrd. EUR Produktionsausfall und 38,0 Mrd. EUR Bruttowertschöpfung (BAuA 2024)
  • 40,4 % der Neuzugänge in Erwerbsminderungsrenten entfielen 2024 auf die Indikationsgruppe Psychosomatik und Psychotherapie (Deutsche Rentenversicherung Bund 2025)
  • 68 % aller Betriebe führen eine Gefährdungsbeurteilung durch, 65 % davon beziehen psychische Belastung ein (GDA-Betriebs- und Beschäftigtenbefragung 2023/24)
Psychische Belastung Statistiken 2026

Psychische Belastung am Arbeitsplatz: der Überblick

Psychische Erkrankungen gehören seit Jahren zu den häufigsten Gründen für lange Krankschreibungen und für Erwerbsminderungsrenten in Deutschland. Dieser Artikel führt nur Zahlen, die in einer benannten Primärquelle mit Datenjahr und Bezugsgröße stehen. Wo keine belastbare Quelle vorliegt, steht hier keine Zahl.

Für Arbeitgeber sind diese Daten unmittelbar relevant: § 5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG verpflichtet sie, psychische Belastungsfaktoren zu ermitteln und zu beurteilen.

Zur Einordnung: Kennzahlen zu Fehlzeiten stammen aus unterschiedlichen Datenquellen mit unterschiedlichen Populationen. Die BAuA rechnet auf alle Arbeitnehmenden hoch, die Krankenkassenreporte beziehen sich jeweils nur auf die eigenen Versicherten. Zahlen aus zwei Quellen lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres vergleichen. Die Bezugsgröße steht hier bei jeder Zahl dabei.

Arbeitsunfähigkeitstage durch psychische Erkrankungen

BAuA: Bezugsgröße alle Arbeitnehmenden in Deutschland

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin rechnet die Arbeitsunfähigkeitsdaten der gesetzlichen Krankenkassen auf alle Arbeitnehmenden hoch. Für das Berichtsjahr 2024 fließen Daten von 32,6 Millionen GKV-Mitgliedsjahren ein.

  • Insgesamt 881,5 Mio. Arbeitsunfähigkeitstage bei durchschnittlich 20,8 AU-Tagen je arbeitnehmender Person
  • Davon 147,3 Mio. AU-Tage auf die Diagnosegruppe F00 bis F99 (Psychische und Verhaltensstörungen), das sind 16,7 % aller AU-Tage
  • Nach den Muskel-Skelett-Erkrankungen (171,3 Mio.) und den Krankheiten des Atmungssystems (159,2 Mio.) ist das die dritthöchste der ausgewiesenen Diagnosegruppen. Die Sammelposition „Übrige Krankheiten" ist größer, aber keine Diagnosegruppe

Quelle: BAuA, Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2024, Tabellen 1 und 2. Datenjahr 2024, abgerufen am 24.08.2026.

BKK: Bezugsgröße beschäftigte BKK-Mitglieder

  • 16,7 % aller AU-Tage entfielen auf psychische Störungen
  • Gleichzeitig nur 5,1 % aller AU-Fälle. Psychische Diagnosen sind also selten, ziehen aber lange Ausfallzeiten nach sich

Quelle: BKK Dachverband, BKK Gesundheitsreport 2024, Faktenblatt. Datenjahr 2023, abgerufen am 24.08.2026. Der Report weist die Werte für beschäftigte Mitglieder aus, also für Pflicht- und freiwillige Mitglieder zusammen; für die beschäftigten Pflichtmitglieder allein nennt er 16,6 %.

Nicht zu verwechseln: Der BAuA-Wert und der BKK-Wert stimmen zwar beide auf 16,7 %, sie messen aber zwei verschiedene Populationen in zwei verschiedenen Datenjahren (BAuA: alle Arbeitnehmenden, Datenjahr 2024; BKK: beschäftigte BKK-Mitglieder, Datenjahr 2023). Die Übereinstimmung ist ein Zufall und keine gegenseitige Bestätigung.

DAK: Bezugsgröße erwerbstätige DAK-Versicherte

  • 342 Fehltage je 100 Versicherte durch psychische Erkrankungen im Jahr 2024, ausgewertet für rund 2,42 Mio. erwerbstätige DAK-Versicherte

Quelle: DAK-Gesundheit, Psychreport 2025, Datenjahr 2024, abgerufen am 24.08.2026. Diese Kennzahl misst Fehltage je 100 Versicherte, nicht den Anteil an allen AU-Tagen. Beide Größen dürfen nicht gegeneinander gerechnet werden.

Burnout: die Diagnosegruppe Z73

Burnout ist keine eigenständige Diagnose in der Gruppe der psychischen und Verhaltensstörungen. Ärztinnen und Ärzte kodieren es als Zusatzinformation in der Diagnosegruppe Z73 („Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung"). Deshalb taucht Burnout in den F00-bis-F99-Zahlen oben nicht auf.

  • Die AU-Tage der Diagnosegruppe Z73 stiegen je 1.000 AOK-Mitglieder von 101,6 Tagen (2015) auf 186,0 Tage (2024), also auf fast das Doppelte

Quelle: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), Fehlzeiten-Report 2025, Kapitel zu den krankheitsbedingten Fehlzeiten, Datenjahr 2024. Bezugsgröße: erwerbstätige AOK-Mitglieder, also Pflicht- und freiwillig Versicherte ohne ALG-I-Empfänger. Abgerufen am 24.08.2026.

Belastungsfaktoren: was in der Gefährdungsbeurteilung zu prüfen ist

Die GDA-Leitlinie „Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz" gliedert die zu beurteilenden Merkmale in sechs Bereiche. Diese Gliederung ist der verbindliche Rahmen für die Gefährdungsbeurteilung, unabhängig von Branche und Betriebsgröße:

  1. Arbeitsinhalt und Arbeitsaufgabe: Vollständigkeit der Aufgabe, Handlungsspielraum, Verantwortung, Qualifikation, emotionale Inanspruchnahme
  2. Arbeitsorganisation: Arbeitszeit, Arbeitsablauf, Kommunikation und Kooperation
  3. Soziale Beziehungen: Beziehungen zu Kolleginnen und Kollegen sowie zu Vorgesetzten
  4. Arbeitsumgebung: Lärm, Beleuchtung, Klima, ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes
  5. Arbeitsmittel: Verwendung, Gebrauchstauglichkeit und Gestaltung der eingesetzten Arbeitsmittel
  6. Arbeitszeit: Dauer, Lage, Flexibilität, Schichtarbeit, Bereitschaftsdienst

Achtung, zwei verschiedene Raster: „Neue Arbeitsformen" ist kein Merkmalsbereich dieser Leitlinie. Der Begriff stammt aus dem älteren Erhebungsbogen des GDA-Arbeitsprogramms Psyche 2013 bis 2018 und taucht deshalb in den Erfassungsquoten des folgenden Absatzes auf. Beide Raster dürfen nicht vermischt werden.

Der GDA-Abschlussbericht zum Arbeitsprogramm Psyche nutzt ein eigenes, älteres Raster und zeigt, welche Merkmalsbereiche in den besichtigten Betrieben tatsächlich erfasst wurden: „Arbeitszeit, Arbeitsorganisation" in 63 % (im Erhebungsbogen ein einziges kombiniertes Feld, deshalb ein gemeinsamer Wert und nicht zwei Bereiche mit je 63 %), Arbeitsinhalt und Arbeitsaufgabe in 62 %, Arbeitsumgebung in 54 %, soziale Beziehungen in 50 % und neue Arbeitsformen in nur etwa 13 % der Betriebe. Bezugsgröße sind rund 13.000 im Programm besichtigte Betriebe; die 12.975 Fälle des Berichts sind Revisionsdatensätze, nicht eindeutig einzelne Betriebe. Die besichtigten Betriebe sind laut Bericht keine Zufallsstichprobe.

Volkswirtschaftliche Kosten

Die BAuA schätzt die volkswirtschaftlichen Ausfälle durch Arbeitsunfähigkeit in zwei Größen: den Produktionsausfall, bewertet über die Lohnkosten, und den Ausfall an Bruttowertschöpfung, bewertet über die Arbeitsproduktivität. Die zweite Größe enthält die erste bereits. Beide dürfen nicht addiert werden.

  • Alle Diagnosen 2024: 134 Mrd. EUR Produktionsausfall, 227 Mrd. EUR Ausfall an Bruttowertschöpfung
  • Psychische und Verhaltensstörungen (F00 bis F99) 2024: 22,5 Mrd. EUR Produktionsausfall, 38,0 Mrd. EUR Ausfall an Bruttowertschöpfung
  • Je Arbeitsunfähigkeitstag über alle Diagnosen: 152 EUR Produktionsausfall, 258 EUR Ausfall an Bruttowertschöpfung
  • Anteil am Bruttonationaleinkommen durch psychische und Verhaltensstörungen: 0,5 % beim Produktionsausfall, 0,8 % beim Bruttowertschöpfungsausfall

Quelle: BAuA, Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2024, Tabellen 1 und 2. Abgerufen am 24.08.2026.

Erwerbsminderungsrenten

  • 40,4 % der Neuzugänge in Erwerbsminderungsrenten entfielen 2024 auf die Indikationsgruppe Psychosomatik und Psychotherapie, das sind 69.294 Fälle
  • Zum Vergleich: Hämatologie und Onkologie 14,1 %, Neurologie 13,3 %, Orthopädie 9,9 %

Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund (2025), Statistikportal der Deutschen Rentenversicherung, Rentenzugangsstatistik. Datenjahr 2024, abgerufen am 24.08.2026. Bezugsgröße sind ausschließlich die neu zugegangenen Erwerbsminderungsrenten, nicht alle Rentenzugänge und nicht der Anteil an den Fehltagen.

Compliance-Lücke: Was die GDA-Daten wirklich hergeben

Die größte strukturelle Herausforderung bleibt die Diskrepanz zwischen gesetzlicher Pflicht und gelebter Praxis. Dazu gibt es zwei belegte Kennzahlen mit unterschiedlicher Bezugsgröße:

  • 68 % aller Betriebe führen eine Gefährdungsbeurteilung durch, 2015 waren es 52 % (GDA-Betriebs- und Beschäftigtenbefragung 2023/24, 3.817 Betriebe)
  • Davon beziehen 65 % psychische Belastung in die Gefährdungsbeurteilung ein. Bezugsgröße: Betriebe mit Gefährdungsbeurteilung, nicht alle Betriebe (GDA 2023/24)
  • Nach Betriebsgröße: Kleinstbetriebe bis 9 Beschäftigte 61 % mit Gefährdungsbeurteilung (2015: 42 %), 10 bis 49 Beschäftigte 85 % (2015: 71 %) (GDA 2023/24)
  • Andere Bezugsgröße, ältere Daten: 47,4 % der rund 13.000 im GDA-Arbeitsprogramm Psyche 2013 bis 2018 besichtigten Betriebe verfügten über keine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung. Die besichtigten Betriebe sind laut Abschlussbericht keine Zufallsstichprobe
  • Eine Quote für den Anteil aller Betriebe mit psychischer Gefährdungsbeurteilung weist keine amtliche Quelle aus
  • Ab 2026: staatliche Mindestbesichtigungsquote von 5 % der im Land vorhandenen Betriebe pro Jahr nach § 21 Abs. 1a ArbSchG
  • Mögliche Bußgelder: bis zu 30.000 EUR, wenn einer vollziehbaren Anordnung der Aufsichtsbehörde nach § 22 Abs. 3 ArbSchG zuwidergehandelt wird (§ 25 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a i.V.m. Abs. 2 ArbSchG)

Quellenverzeichnis

  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2024. Dortmund 2025. Abgerufen am 24.08.2026.
  • BKK Dachverband: BKK Gesundheitsreport 2024, Faktenblatt. Datenjahr 2023. Berlin 2024. Abgerufen am 24.08.2026.
  • DAK-Gesundheit: Psychreport 2025. Datenjahr 2024. Hamburg 2025. Abgerufen am 24.08.2026.
  • Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO): Fehlzeiten-Report 2025, Kapitel krankheitsbedingte Fehlzeiten. Datenjahr 2024. Berlin 2025. Abgerufen am 24.08.2026.
  • Deutsche Rentenversicherung Bund: Statistikportal der Deutschen Rentenversicherung, Rentenzugangsstatistik. Datenjahr 2024. Berlin 2025. Abgerufen am 24.08.2026.
  • Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie: Bericht zur Betriebs- und Beschäftigtenbefragung 2023/24. Hrsg. NAK-Geschäftsstelle bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Stand 31.03.2025, veröffentlicht am 24.06.2025. Feldzeit der Betriebsbefragung: 13.09.2023 bis 15.03.2024. Abgerufen am 24.08.2026.
  • Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie: Abschlussbericht zum GDA-Arbeitsprogramm Schutz und Stärkung der Gesundheit bei arbeitsbedingter psychischer Belastung (2013–2018). Abgerufen am 24.08.2026.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Fehltage verursachen psychische Erkrankungen in Deutschland?

Auf psychische und Verhaltensstörungen entfielen 2024 rund 147,3 Mio. Arbeitsunfähigkeitstage, das sind 16,7 % aller AU-Tage in Deutschland (BAuA, Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2024, Bezugsgröße: alle Arbeitnehmenden). Der BKK Gesundheitsreport 2024 nennt für beschäftigte BKK-Mitglieder im Datenjahr 2023 ebenfalls 16,7 % der AU-Tage bei nur 5,1 % der AU-Fälle. Beide Werte sind nicht zu verwechseln: Es sind zwei verschiedene Populationen aus zwei verschiedenen Datenjahren, die zufällig denselben Wert ergeben, keine gegenseitige Bestätigung.

Was kostet psychische Belastung die Volkswirtschaft?

Die BAuA beziffert die Ausfälle durch psychische und Verhaltensstörungen für 2024 auf 22,5 Mrd. EUR Produktionsausfall und 38,0 Mrd. EUR Ausfall an Bruttowertschöpfung. Die zweite Zahl enthält die erste bereits, beide dürfen nicht addiert werden. Über alle Diagnosen zusammen sind es 134 Mrd. EUR beziehungsweise 227 Mrd. EUR.

Wie stark ist Burnout in den Fehlzeiten sichtbar?

Burnout ist keine eigenständige psychische Diagnose, sondern wird als Zusatzinformation in der Diagnosegruppe Z73 kodiert. Die AU-Tage dieser Gruppe stiegen je 1.000 AOK-Mitglieder von 101,6 Tagen im Jahr 2015 auf 186,0 Tage im Jahr 2024 (WIdO Fehlzeiten-Report 2025).

Welchen Anteil haben psychische Erkrankungen an den Erwerbsminderungsrenten?

40,4 % der 2024 neu zugegangenen Erwerbsminderungsrenten entfielen auf die Indikationsgruppe Psychosomatik und Psychotherapie, das sind 69.294 Fälle (Deutsche Rentenversicherung Bund 2025). Bezugsgröße sind ausschließlich die neu zugegangenen Erwerbsminderungsrenten, nicht alle Rentenzugänge.

Wie viele Unternehmen haben die Pflicht zur psychischen Gefährdungsbeurteilung erfüllt?

Eine Quote für den Anteil aller Betriebe mit psychischer Gefährdungsbeurteilung weist keine amtliche Quelle aus. Belegt sind zwei Kennzahlen mit unterschiedlicher Bezugsgröße: 68 % aller Betriebe führen überhaupt eine Gefährdungsbeurteilung durch (2015: 52 %), und 65 % der Betriebe mit Gefährdungsbeurteilung beziehen psychische Belastung mit ein (GDA-Betriebs- und Beschäftigtenbefragung 2023/24, 3.817 Betriebe). Bezogen auf die besichtigten Betriebe im GDA-Arbeitsprogramm Psyche 2013 bis 2018 verfügten 47,4 % über keine Gefährdungsbeurteilung.

Glossar-Begriffe in diesem Artikel