GB Psych 2026: Was Behörden in BW, NRW und Hessen jetzt prüfen
GDA-Erprobungsjahr 2026, SuGA-Bericht NRW und Kompetenzstelle BW: Behörden prüfen die GB Psych nicht nur ob, sondern wie. Status quo, Zahlen und Quellen.

Wer 2026 als Geschäftsführer auf Behördenkontrolle wartet, sollte einen Aspekt nicht mehr unterschätzen: Die psychische Gefährdungsbeurteilung (GB Psych) ist im Aufsichtsbetrieb der Bundesländer zum festen Prüfgegenstand geworden. Belegen lässt sich das nicht durch reißerische "Sonderaktionen", sondern durch konkrete, dokumentierte Strukturen – die Existenz eigens dafür eingerichteter Stellen, eines verbindlichen Bund-Länder-Programms und aktueller Tätigkeitsberichte der Aufsichtsbehörden.
Wir haben uns die belastbaren Quellen angeschaut. Was wirklich passiert – und was nicht.
Was die Behörden 2026 tatsächlich tun
Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) ist das Bund-Länder-Unfallversicherungs-Programm, das den Aufsichtsbehörden ihre Schwerpunkte vorgibt. Im aktuellen Arbeitsprogramm Psyche ist die GB Psych ein Kernthema – nicht nur als zu prüfende Pflicht, sondern explizit mit dem Auftrag, den Beratungs- und Überwachungsstandard der Aufsicht weiterzuentwickeln. Die Aufsichten prüfen heute nicht nur, ob eine GB Psych vorliegt, sondern auch, ob sie methodisch sauber durchgeführt wurde. [1]
Die 3. GDA-Periode läuft bis Ende 2026, das Jahr selbst ist offiziell als "Erprobungsjahr" gekennzeichnet, bevor 2027 die 4. GDA-Periode startet. [1]
Drei Bundesländer mit klar dokumentierter Praxis
Baden-Württemberg: Eigene Kompetenzstelle Arbeitspsychologie
Beim Regierungspräsidium Stuttgart (Abteilung 9, Referat 96) arbeitet eine Kompetenzstelle Arbeitspsychologie. Sie berät die Aufsicht bei Betriebskontrollen, schult Arbeitsschutzfachkräfte und unterstützt landesweit bei der Bewertung von GB Psych. Eine Telefonsprechstunde ist montags 7–11 Uhr unter 0711 904-39666 erreichbar. [2]
Damit hat Baden-Württemberg eine fachlich spezialisierte Stelle, die dafür sorgt, dass GB-Psych-Bewertungen in Aufsichtsverfahren auf einer einheitlichen Linie laufen.
Nordrhein-Westfalen: SuGA-Bericht 2024 macht psychische Gesundheit zum Jahresschwerpunkt
Der jährliche Bericht "Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SuGA) NRW" für das Jahr 2024 wurde am 9. Januar 2026 vom Landesinstitut für Arbeitsgestaltung NRW (LIA) veröffentlicht. Der Bericht stellt die psychische Gesundheit der Beschäftigten in den Mittelpunkt – flankiert vom statistischen Jahresbericht der Arbeitsschutzverwaltung NRW. [3] [4]
Hessen: Drei Regierungspräsidien mit eigener Linie
In Hessen sind die Regierungspräsidien Darmstadt, Gießen und Kassel für die Aufsicht zuständig. Die Unfallkasse Hessen flankiert mit Beratungs- und Schulungsangeboten zur GB Psych und macht damit klar: Wer geprüft wird, kann sich nicht mit "wir kannten die Anforderung nicht" herausreden. [5]
Wo die Behauptungen oft übertrieben werden
Marketing-Texte einzelner Anbieter sprechen gern von "Sonderprüfaktionen". Eine namentlich so bezeichnete, zeitlich befristete Sonderaktion 2025 oder 2026 lässt sich auf den offiziellen Behörden-Seiten von BW, NRW und Hessen nicht primär belegen. Was sich belegen lässt: Die GB Psych ist im regulären Aufsichtsbetrieb fester Bestandteil – auf Basis der GDA, nicht auf Basis einer Kampagne.
Auch konkrete Bußgeldfälle ausschließlich wegen fehlender GB Psych werden in keiner amtlichen Statistik einzeln ausgewiesen. Der gesetzliche Rahmen besteht aber: Nach § 25 Abs. 1 Nr. 2a ArbSchG sind Bußgelder bis zu 30.000 Euro möglich. In der Praxis ergeht jedoch zunächst eine Anordnung mit Frist nach § 22 ArbSchG – das Bußgeld folgt erst, wenn die Frist verstreicht. [6]
Wie verbreitet ist die GB Psych wirklich?
Die GDA-Dachevaluation 2023/24 liefert eine zitierfähige Zahl. Demnach haben rund 68% der Betriebe in Deutschland überhaupt eine Gefährdungsbeurteilung. Davon berücksichtigen etwa 65–66% explizit psychische Belastungen. Rechnet man durch, hat nur etwa jeder zweite Betrieb eine GB Psych – obwohl die Pflicht seit 2013 in § 5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG verankert ist. [7]
Diese Lücke ist genau der Grund, warum die Aufsicht systematisch auf das Thema schaut.
Was eine Behördenkontrolle 2026 prüft
Wenn ein Aufseher der Gewerbeaufsicht oder eines Regierungspräsidiums zu einer Betriebskontrolle erscheint, geht es bei der GB Psych typischerweise um vier Fragen:
- Existiert eine schriftliche GB Psych? – Prüfgrundlage ist die Dokumentationspflicht aus § 6 ArbSchG.
- Sind alle Tätigkeitsbereiche und Beschäftigtengruppen abgedeckt? – Eine Pauschal-GBU ohne Differenzierung gilt regelmäßig als nicht ausreichend.
- Ist die Methode geeignet? – Die GDA-Empfehlungen der BAuA sind hier die Messlatte. [8]
- Sind Maßnahmen abgeleitet, umgesetzt und auf Wirksamkeit geprüft? – Eine GBU ohne Maßnahmenplan und Wirksamkeitskontrolle erfüllt den Kreislauf nach § 3 ArbSchG nicht.
Stellt die Behörde Lücken fest, wird sie üblicherweise eine Anordnung mit angemessener Umsetzungsfrist verfügen. In Einzelfällen kann auch ein Hinweis an den zuständigen Unfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaft) gehen – etwa, wenn nach einem psychisch bedingten Arbeitsunfall die Frage des Regresses bei einem etwaigen Pflichtversäumnis steht.
Was Geschäftsführer jetzt konkret tun sollten
- Status prüfen: Liegt eine schriftliche GB Psych vor – aktuell, vollständig, methodisch nachvollziehbar? Mit unserem Pflicht-Checker in 2 Minuten.
- Tätigkeitsbereiche differenzieren: Eine "Eine-Größe-passt-für-alle"-GBU hält keiner gründlichen Prüfung stand.
- Maßnahmenkreislauf schließen: Risikoidentifikation → Maßnahmen → Umsetzung → Wirksamkeitsprüfung. Erst dann ist § 3 ArbSchG erfüllt.
- Dokumentation greifbar haben: Im Prüffall muss die Doku vorgelegt werden können – nicht in einem Cloud-Ordner irgendwo schlummern.
Wie SafeMind hilft
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Quellen
- GDA-Arbeitsprogramm Psyche (3. GDA-Periode 2021–2026) – Träger: Bund/Länder/Unfallversicherungsträger; Handlungsfeld "Weiterentwicklung des Beratungs- und Überwachungsstandards"; KMU-Fokus <250 MA, Digitalisierung, Post-Corona; Übergang in 4. GDA-Periode ab 2027. Programm-Detailseite, gda-portal.de.
- Regierungspräsidium Stuttgart – Kompetenzstelle Arbeitspsychologie, Abteilung 9, Referat 96; Telefonsprechstunde montags 7–11 Uhr (0711 904-39666); Aufgaben: Beratung der Aufsicht, Schulung Arbeitsschutzfachkräfte, GB-Psych-Bewertung in Aufsichtsverfahren. rps.baden-wuerttemberg.de.
- LIA NRW – Pressemitteilung "Bericht Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SuGA) NRW 2024" vom 09.01.2026 – Jahresschwerpunkt psychische Gesundheit: 810.399 meldepflichtige Arbeitsunfälle, 440 tödlich; 147,3 Mio AU-Tage durch psychische Störungen (16,7 %); 42 % der vorzeitigen Renten psychisch bedingt. Pressemitteilung, lia.nrw.de. Bundes-Volltext: SuGA 2024 PDF, baua.de.
- Statistischer Jahresbericht ASV NRW 2024, hrsg. Arbeitsschutzverwaltung NRW. PDF Volltext, arbeitsschutz.nrw.de.
- Unfallkasse Hessen – Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung: Beratungs- und Schulungsangebote der UK Hessen, flankiert die Aufsicht der drei hessischen Regierungspräsidien (Darmstadt, Gießen, Kassel); Ansprechpartnerin Dr. Lisa Ritzenhöfer, Seminare "Einstieg in die GB Psych" / "GB Psych leicht gemacht". ukh.de – GBU psychische Belastung. Online-Tool: PsyGesund Online-Tool.
- Arbeitsschutzgesetz – einschlägige Paragraphen: § 5 ArbSchG (Beurteilung der Arbeitsbedingungen, Abs. 3 Nr. 6 psychische Belastung) · § 6 (Dokumentation) · § 22 (Anordnungen) · § 25 (Bußgeld bis 30.000 €).
- GDA-Betriebs- und Beschäftigtenbefragung 2023/24 (Dachevaluation), fielding infas, n=3.817 Betriebe + 3.824 Beschäftigte (Sept 2023 – Juni 2024); GB allgemein 68 % (vs. 52 % 2015), davon 65 % mit psychischer Belastung. GDA-Meldung 24.06.2025. BMAS: BMAS-Pressemitteilung.
- BAuA / GDA – Empfehlungen "Berücksichtigung psychischer Belastung in der Gefährdungsbeurteilung", 4. Auflage 2022 – methodischer Maßstab der Aufsicht. PDF, gda-portal.de. BAuA-Hub: baua.de.
- Hessischer Jahresbericht Arbeitsschutz und Produktsicherheit 2024, Kapitel "Thematik der psychischen Belastung bei der Arbeit" S. 98–102, Autorin Claudia Flake (Fachzentrum systemischer Arbeitsschutz und Arbeitsgestaltung, RP Gießen) – LASI-Projektgruppe Psychische Belastung 2020–2025 unter hessischer Leitung. PDF Volltext, arbeitswelt.hessen.de.


