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Fragebogen für die psychische
Gefährdungsbeurteilung

Kurz erklärt

Der Fragebogen ist das gängigste Erhebungsinstrument der psychischen Gefährdungsbeurteilung. Er fragt nicht nach dem Befinden einzelner Personen, sondern danach, wie die Beschäftigten ihre Arbeitsbedingungen erleben. Damit die Aufsicht ihn anerkennt, muss er die Merkmalsbereiche der GDA-Leitlinie abdecken, anonym auswertbar sein und Ergebnisse je Bereich, Team oder Standort liefern, aus denen sich Maßnahmen ableiten lassen.

6 Bereiche
Gestaltungsbereiche nach GDA-Leitlinie
10 bis 15 Min.
Bearbeitungszeit, die den Rücklauf nicht gefährdet
min. 5
Antworten je Auswertungseinheit für anonyme Ergebnisse

Was der Fragebogen abdecken muss

Die Leitlinie der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) legt fest, welche Merkmale der Arbeit betrachtet werden müssen. In der Praxis werden sie in sechs Gestaltungsbereiche gegliedert. Ein Fragebogen, der einen Bereich auslässt, fällt bei der behördlichen Prüfung durch. So sieht die Abdeckung mit je einer Beispielfrage aus:

Arbeitsinhalt und Arbeitsaufgabe

Vollständigkeit der Aufgabe, Handlungsspielraum, Verantwortung, Qualifikationspassung, emotionale Anforderungen

Beispielfrage: „Ich kann meine Arbeit weitgehend selbst einteilen."

Arbeitsorganisation

Arbeitsablauf, Kommunikation, Unterbrechungen, Informationsfluss, Zuständigkeiten

Beispielfrage: „Ich werde bei der Arbeit häufig unterbrochen."

Arbeitszeit

Dauer und Lage der Arbeitszeit, Schichtarbeit, Überstunden, Pausen, Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit

Beispielfrage: „Ich kann nach Feierabend wirklich abschalten."

Soziale Beziehungen

Verhältnis zu Kolleginnen und Kollegen, Führungsverhalten, Anerkennung, Konflikte

Beispielfrage: „Meine Führungskraft gibt mir regelmäßig Rückmeldung zu meiner Arbeit."

Arbeitsmittel

Werkzeuge, Maschinen, Software, Informationssysteme und ihre Zuverlässigkeit

Beispielfrage: „Die Arbeitsmittel, die ich brauche, funktionieren zuverlässig."

Arbeitsumgebung

Lärm, Klima, Beleuchtung, Ergonomie, räumliche Bedingungen, mobile Arbeit

Beispielfrage: „Die Arbeitsumgebung beeinträchtigt meine Konzentration nicht."

10 Beispielfragen für Ihren Fragebogen

Gute Fragen sind kurz, beziehen sich auf eine konkrete Arbeitsbedingung und lassen sich auf einer Zustimmungsskala beantworten (zum Beispiel von „trifft gar nicht zu" bis „trifft voll zu"). Diese Fragen können Sie als Ausgangspunkt nutzen:

  1. 1. Ich habe genug Zeit, um meine Aufgaben in guter Qualität zu erledigen.
  2. 2. Ich weiß genau, was von mir erwartet wird.
  3. 3. Ich kann Einfluss darauf nehmen, wie ich meine Arbeit erledige.
  4. 4. Informationen, die ich für meine Arbeit brauche, erreichen mich rechtzeitig.
  5. 5. Ich werde bei der Arbeit häufig durch Störungen aus dem Konzept gebracht.
  6. 6. Meine Führungskraft unterstützt mich bei Problemen.
  7. 7. Im Team helfen wir uns gegenseitig.
  8. 8. Meine Leistung wird anerkannt.
  9. 9. Die Arbeitsumgebung (Lärm, Licht, Klima) beeinträchtigt meine Konzentration.
  10. 10. Ich kann Arbeit und Privatleben gut miteinander vereinbaren.

Achten Sie darauf, dass sich Fragen auf Bedingungen beziehen, die der Betrieb verändern kann. Eine Frage nach dem persönlichen Stresslevel liefert keine Grundlage für Maßnahmen.

Fragebogen-Instrumente im Vergleich

Die Unfallversicherungsträger stellen ihren Mitgliedsbetrieben kostenlose Fragebögen bereit. Sie decken meist die Erhebung ab, nicht aber Anonymisierung, Auswertung je Bereich, Dokumentation und Maßnahmenverfolgung. Genau dort entsteht in der Praxis der Aufwand.

BGW Online-Fragebogen

kostenlos für Mitgliedsbetriebe
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege

Erhebung online, Auswertung und Maßnahmenableitung bleiben beim Betrieb

VBG Online-Tool

kostenlos für Mitgliedsbetriebe
Verwaltungs-Berufsgenossenschaft

Geführter Prozess mit Fragebogen und Dokumentationshilfe

KFZA (Kurzfragebogen zur Arbeitsanalyse)

frei verfügbar
Prümper, Hartmannsgruber, Frese (1995)

26 Fragen, wissenschaftlich publiziert, Auswertung muss selbst organisiert werden

psyBel Befragung

kostenlos für Mitgliedsbetriebe
BG RCI

Teil eines Instrumentenkastens mit Workshop- und Beobachtungsverfahren

SafeMind Fragebogen

ab 699 € einmalig je Befragungswelle
SafeMind

Fragen entlang der GDA-Merkmalsbereiche, anonyme Erhebung, Auswertung nach Bereichen, Abschlussbericht und Maßnahmenbereich in einem Ablauf

Anonymität: die Fünf-Personen-Regel

Beschäftigte antworten nur ehrlich, wenn sie sicher sein können, dass niemand ihre Antworten zuordnen kann. Deshalb gilt in der Praxis eine Mindestgruppengröße: Ergebnisse werden erst ab fünf Antworten je Auswertungseinheit ausgewiesen. Ein Team mit drei Personen wird mit dem nächstgrößeren Bereich zusammengefasst oder gar nicht einzeln dargestellt.

Dazu gehört, dass der Fragebogen ohne persönlichen Zugang beantwortet wird und dass demografische Angaben (Alter, Geschlecht, Betriebszugehörigkeit) nur so grob abgefragt werden, dass sie in Kombination keine Person identifizieren. Wer beides technisch erzwingt statt es nur zu versprechen, erreicht deutlich höhere Rücklaufquoten.

Vier typische Fehler

Zu wenige Teilnehmende je Auswertungseinheit

Ergebnisse für Gruppen unter fünf Personen lassen Rückschlüsse auf Einzelne zu. Wer das nicht technisch unterbindet, verliert das Vertrauen der Belegschaft und bekommt beim nächsten Mal keinen Rücklauf mehr.

Fragen zur Person statt zur Arbeit

Die Gefährdungsbeurteilung bewertet Arbeitsbedingungen, nicht die Psyche der Beschäftigten. Fragen nach Stresssymptomen, Schlaf oder Stimmung gehören in eine Mitarbeiterbefragung, nicht in die GBU.

Merkmalsbereiche unvollständig

Wer nur nach Arbeitsmenge und Zeitdruck fragt, deckt einen Bruchteil ab. Die Aufsichtsbehörde prüft, ob alle Merkmalsbereiche der GDA-Leitlinie berücksichtigt wurden.

Erhebung ohne Auswertung und Maßnahmen

Der ausgefüllte Fragebogen ist der Anfang, nicht das Ergebnis. Ohne Auswertung je Bereich, Maßnahmen und Wirksamkeitskontrolle ist die Gefährdungsbeurteilung nicht abgeschlossen.

Häufige Fragen zum Fragebogen

Wo finde ich den BGW-Fragebogen zur psychischen Belastung?

Die BGW stellt ihren Online-Fragebogen auf bgw-online.de unter dem Thema Gefährdungsbeurteilung bereit. Nutzen können ihn Mitgliedsbetriebe der BGW, also vor allem Einrichtungen aus Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Betriebe anderer Branchen wenden sich an ihre eigene Berufsgenossenschaft oder nutzen ein branchenunabhängiges Instrument.

Wie viele Fragen braucht ein Fragebogen zur psychischen Gefährdungsbeurteilung?

Es gibt keine gesetzliche Vorgabe. Kurzinstrumente wie der KFZA kommen mit 26 Fragen aus, ausführliche Fragebögen liegen bei 50 bis 80 Fragen. Entscheidend ist, dass alle Merkmalsbereiche der GDA-Leitlinie abgedeckt sind und die Bearbeitung nicht länger als 10 bis 15 Minuten dauert, sonst sinkt der Rücklauf.

Kann ich den Fragebogen selbst erstellen?

Ja, das ist zulässig. Der Fragebogen muss die Arbeitsbedingungen entlang der GDA-Merkmalsbereiche erfassen und anonym auswertbar sein. Der Aufwand liegt weniger im Schreiben der Fragen als in der Auswertung: Gruppen unter fünf Personen müssen unterdrückt, Ergebnisse je Bereich verglichen und die Dokumentation für die Aufsicht aufbereitet werden. Wer das mit Excel löst, sollte den Aufwand realistisch einplanen.

Muss der Betriebsrat dem Fragebogen zustimmen?

Ja. Die Ausgestaltung der Gefährdungsbeurteilung unterliegt der Mitbestimmung nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG. Das betrifft auch die Auswahl des Fragebogens, die Auswertungseinheiten und den Umgang mit den Ergebnissen. In der Praxis wird der Fragebogen daher gemeinsam mit dem Betriebsrat festgelegt, oft in einer Betriebsvereinbarung.

Wie stellt SafeMind die Anonymität sicher?

Beschäftigte antworten ohne persönlichen Login und ohne personalisierten Link. Ergebnisse werden erst angezeigt, wenn mindestens fünf Antworten je Auswertungseinheit vorliegen; kleinere Gruppen werden automatisch unterdrückt. Diese Schwelle kann je Befragung angehoben, aber nicht unterschritten werden.

Fragebogen, Erhebung und Auswertung in einem Ablauf

SafeMind bringt den Fragebogen entlang der GDA-Merkmalsbereiche mit, erhebt anonym und wertet nach Bereichen aus. Ab 699 € einmalig je Befragungswelle.

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